Unter dem Motto „80 Jahre Fach- und Arbeitskräfte für und in Hessen“ hat das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt am Main im Rahmen des Hessentags in Fulda den Hessischen Zukunftsdialog 2026 durchgeführt. Dabei nahm die Veranstaltung historische Entwicklungen der Fach- und Arbeitskräftesicherung ebenso in den Blick wie aktuelle Herausforderungen und innovative Lösungsansätze für Betriebe, Verwaltungen und Regionen. Im Mittelpunkt standen berufliche Mobilität und die Frage, wie eine vielfältige und zukunftsfähige Arbeitswelt in Hessen gestaltet werden kann.
Der Hintergrund: Hessen steht beim Sichern von Fach- und Arbeitskräften vor erheblichen Herausforderungen: Demografischer Wandel, Digitalisierung, Transformation der Wirtschaft und veränderte Qualifikationsanforderungen prägen die Arbeitsmärkte. Doch Beispiele aus der Praxis zeigen immer wieder, wie Weiterbildung, lebenslanges Lernen und berufliche Mobilität dazu beitragen können, neue Potentiale zu erschließen. „Hessen braucht engagierte Beschäftigte und Betriebe, starke Regionen und verlässliche Unterstützungsstrukturen. Der Zukunftsdialog zeigt, wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln können“, sagte Heike Hofmann, Hessische Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales: „Integration, Qualifizierung und berufliche Entwicklung zu verbinden, eröffnet dabei neue Chancen – nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Beschäftigte“, so die Ministerin weiter.
Blick zurück nach vorne: „1946 bis 2026 – Tradition und Moderne“
Am Vormittag folgte die Veranstaltung dem Leitgedanken „1946 bis 2026 – Tradition und Moderne“: Eine musikalische Zeitreise zeigte, wie sich Flucht, Arbeitsmigration und gezielte Anwerbung entwickelt haben und schließlich zu prägenden Elementen der Fach- und Arbeitskräftezuwanderung nach Hessen wurden. Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion waren dann konkrete Beispiele Thema, die zeigen, wie internationale Fach- und Arbeitskräfte erfolgreich gewonnen und integriert werden können: Hier berichtete etwa das Klinikum Fulda von seinen Erfahrungen bei der Anwerbung internationaler Pflegekräfte aus Nordafrika. Das Unternehmen Resopal aus Südhessen schilderte, wie Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus Portugal über Jahrzehnte hinweg erfolgreich in Betrieb und Gesellschaft integriert werden konnten. Darüber hinaus präsentierte die Gemeinschaftsinitiative WELCOMECENTER Hessen mit ihren Standorten für Nordhessen, Mittelhessen und Frankfurt Rhein-Main ihre Unterstützungsangebote.
Am Nachmittag rückte die berufliche Mobilität in den Fokus: Unter der Überschrift „Hessen im Heute und Hier mit moderner und vielfältiger Arbeitswelt, hoher Integrationskraft und wettbewerbsfähigen Arbeitgebern“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung über Chancen inter- und innerberuflicher Mobilität. Workshops zeigten praxisnah, wie Quereinstiege – also der Wechsel zwischen Berufen als horizontale Mobilität – dazu beitragen können, Fachkräfteengpässe zu lindern und neue Perspektiven zu schaffen, etwa beim Umstieg in den Bereich Erziehung, in die öffentliche Verwaltung oder die Altenpflege. Ein zweites Forum beleuchtete die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten hochqualifizierter Frauen. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Welche neuen Kompetenzen braucht es im Personalwesen im Zeitalter der KI? Mit welchen Herausforderungen sehen sich Berufsanfängerinnen und -anfänger konfrontiert? Und welche Karrierewege eröffnen sich Frauen in der Informatik?
„Fach- und Arbeitskräftesicherung umfasst weit mehr als klassische Rekrutierung“
„Die Beispiele zeigen, dass Fach- und Arbeitskräftesicherung weit mehr umfasst als klassische Rekrutierung. Erfolgreich sind vor allem Strategien, die Integration, Weiterbildung, berufliche Mobilität und neue Formen der Arbeitsorganisation zusammendenken“, erklärte Dr. Christa Larsen, Leiterin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK). „Aus wissenschaftlicher Perspektive wird deutlich, dass gerade Übergänge zwischen Berufen sowie flexible Qualifizierungswege künftig noch stärker an Bedeutung gewinnen werden“, sagte Larsen weiter.
Seit über zehn Jahren kooperiert das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales beim Zukunftsdialog mit der Goethe-Universität Frankfurt am Main. „Universitäten übernehmen eine wichtige Rolle dabei, gesellschaftliche Transformationsprozesse wissenschaftlich zu begleiten und Wissen in die Praxis zu transferieren“, sagte Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität für Forschung. „Der Hessische Zukunftsdialog zeigt eindrucksvoll, wie Wissenschaft, Politik und Praxis gemeinsam neue Perspektiven für die Fach- und Arbeitskräftesicherung entwickeln können“, sagte Brüne.